Freitag, 31. Juli 2015

Immer wieder Freisen

Donnerstag, 30. Juli 2015:
"Was habe ich mir heute angetan?"... so meine ersten Gedanken, kurz nachdem ich aufgewacht bin.
Muskelkater in den Beinen nach gefühlten 5.000 Mal bücken und knien, mein linker Daumen schmerzt vom ständigen anpacken und halten der schweren Pflastersteine und meine Lendenwirbelsäule signalisiert mir, dass die letzten beiden Steine wohl zuviel waren.
Gerne habe ich gestern meinem Freund bzw. seiner Familie beim Pflastern der Hofeinfahrt geholfen, ist es doch eine willkommene Abwechslung.
Heute allerdings wäre ich froh, einen Tag Ruhe gehabt zu haben, denn ich bin zu einer Mountainbike-Tour verabredet.
Na ja, mal schauen, was noch geht.
Während der Fahrt nach Rückweiler, wo ich mich um 15:00 Uhr mit einem Freund treffe, hoffe ich, dass alles gut läuft.
Wir starten gegen 15:30 Uhr vor seiner Haustür - heute soll es die "MTB 9" rund um Freisen sein, die im Internet als "anspruchsvolle Tour für geübte Mountainbiker mit einigen Steilabschnitten, die technisches Fahrkönnen voraussetzen" beworben wird.

Nach 2,5 Kilometern sind wir am Einstieg der Strecke, die uns über den Windpark am Trautzberg, von dem aus man eine schöne Sicht auf die Baumholderer Platte hat, zum 596 Meter hohen Hellerberg führt, wo wir den ersten Panoramablick genießen können. Weiter geht es durch den alten Steinbruch hinunter nach Reichweiler und Schwarzerden. Auf dem Fritz-Wunderlich-Weg gelangen wir nach Oberkirchen und fahren über die imposante Talbrücke. Vorbei am Weiselbergbad und Johanneshof sind wir rund acht Kilometer, ein paar Anstiege und Trails später auf dem 595 Meter hohen Füsselberg.
Wir kommen hinunter bis fast zum Ortseingang Freisen und drehen eine Schleife über den Rothsberg nach Eitzweiler. Jetzt geht es wieder nach Freisen, wo wir ein kurzes Stück durch Wohngebiet fahren, bevor der Weg erneut im dichten Wald verschwindet. Nur in paar Hundert Meter Luftlinie von hier erstrahlt die gestern frisch gepflasterte Hofeinfahrt. Das Höhenprofil zeigt seit Eitzweiler einen ständigen Anstieg, der nur durch ein paar kurze, flache Passagen unterbrochen wird. Durch das Waldgebiet "Klöppchen" kommen wir zu den Außengehegen des Naturwildparks Freisen. Die letzten Kilometer über die Höhenzüge kosten ganz schön Körner. Der Wind bläst aus allen Richtungen und die Temperatur ist auf 13 Grad gefallen. Zum Glück sind wir bald am Ziel, wo nach 2 1/2 Stunden ein kühles alkoholfreies Weizenbier auf uns wartet.
Laut meinem Garmin haben wir 39,34 Kilometer und rund 850 Höhenmeter bewältigt.


Für die Konditions-Tour um Freisen braucht der Biker Kraft und Ausdauer. Es ist eine anspruchsvolle Tour, auf der man über Anstiege, Steilabschnitte, zahlreiche Trails, Wiesen und Waldwege geführt wird.

Auf der Heimfahrt beschleicht mich das schöne Gefühl, wieder etwas gutes für mich und meinen Körper getan zu haben. Es war eine schöne Tour, ich fühle mich großartig und freue mich auf eine heiße Dusche.

Mission Edelsteinschleiferweg

Dienstag, 28. Juli 2015:
Heute lautet meine Mission: GPS-Daten des Edelsteinschleiferweges aufzeichnen.


Noch in diesem Jahr werden die letzten Traumschleifen in der Saar-Hunsrück-Region eröffnet. Das Angebot an Premiumwanderwegen soll bei dann 111 gedeckelt werden, um die bestehende hohe Qualität nicht zu verwässern. Eines der letzten Projekte wird eine dritte Traumschleife in Idar-Oberstein sein: Nach den bestehenden Traumschleifen "Nahe-Felsen-Weg" und "Rund um die Kama" soll der "Edelsteinschleiferweg", der unter anderem die touristischen Höhepunkte Steinkaulenberg und Weiherschleife verbindet, das Thema "Edelsteine" in das Gesamtkonzept der Traumschleifen einbringen.
Historische Schleifmühle Weiherschleife

Die Stadtverwaltung schickte mir die Streckenführung als pdf-Datei und so mache ich mich um 9 Uhr auf den Weg durch den Rödgesberg zur Weiherschleife in der Tiefensteiner Straße 87 in Idar-Oberstein, dem Startpunkt des Weges, wo u.a. auch eine historische Schleifmühle besichtigt werden kann. Ich starte in der empfohlenen Wanderrichtung im Uhrzeigersinn und bin gespannt, was mich erwartet. Nach Querung der B 422 führt ein schmaler Pfad nach Oberstweiler, von wo aus der Weg gleich wieder im Wald verschwindet. Hier muss ein kurzer aber steiler Anstieg bewältigt werden, der einen bis unterhalb des Zentralfriedhofes bringt. Um den Saarring herum, unterhalb der Straßburg-Kaserne, ist dann der Weg deckungsgleich mit dem seit langem bekannten "Schleiferweg". Man durchwandert ein kleines Waldstück und gelangt zum Rabenkreisel nach Algenrodt. Jetzt wird es eng, denn die Eigentümer des Eckhauses Am Dreschplatz/Auf dem Bilzacker haben vor einiger Zeit einen Metallzaun errichtet. Zwischen diesem und einer Hecke führt der Weg entlang. Es folgt erneut eine Waldpassage und es geht weiter, vorbei am Schützenhaus, in den wunderschönen Dietzenwald. 
Im Dietzenwald mit Blick auf Idar
Hier genießt man oberhalb des Wohngebietes Hasenklopp einen tollen Blick auf den Stadtteil Idar. Etwas weiter wurden ein paar Bäume und Äste zurückgeschnitten, sodass der Blick auf das Görlitz-Türmchen frei wird. Nach etwa 500 Metern gelangt man zur "Dietzenplatte", wo nach mündlicher Überlieferung der erste Idar-Obersteiner Spießbraten nach brasilianischer Art zubereitet wurde. Überall findet man gelegentlich noch die roten Schilder des Schleiferweges.
Nun folgt die Passage zum Rilchenberg bzw. Barbararing, wo ich mich unterhalb der Straße über allerhand leere Flaschen, Scherben und Müll jeglicher Art ärgere. Vor der Zertifizierung sollte hier dringend für Ordnung gesorgt werden. 1,2 Kilometer wandert man durch Wald, bevor man die L 176 quert und sich beim Standortübungsplatz Rilchenberg befindet. Die Landstraße ist in diesem Abschnitt gepflastert, wodurch der Verkehrslärm wesentlich lauter wahrnehmbar ist, als auf einer asphaltierten Straße. Am nun folgenden Aussichtspunkt bei Enzweiler kann man sich über einen schönen Panoramablick freuen. Heute weht hier der Wind stark und eine dunkle Wolke schiebt sich vor die Sonne. Ich setze meinen Weg fort, der mich bis überhalb des Hundeplatzes bringt, wo er dann in den "Herz-Kranken-Pfad" übergeht. Rund um die Grenze des Standortübungsplatzes führt dieser Pfad. Ein Schild weist drauf hin, dass das Berühren und Aneignen von Gerät, Munition und Munitionsteilen verboten ist.
Dieser 3,5 Kilometer lange Abschnitt, der über den Eichelsberg zum Aussichtspunkt bei der Morgensonne führt und später parallel zum Siesbachtal nach Algenrodt verläuft, ist sicher der Höhepunkt der Traumschleife.
Ein kleines Stück folgt man der Saarstraße, um wenig später wieder Waldboden unter den Schuhen zu spüren. Als Ortskundiger weiß ich, was mir bevorsteht. Um zu den Edelsteinminen im Steinkaulenberg zu kommen, geht es bergauf. Ich atme tief durch und nehme den schwierigsten Abschnitt der Strecke in Angriff. Über den Bürgerpark gelangt man zum Einstieg in den Steinkaulenberg und wandert auf dem Weg entlang der alten Minen.
Nach fast 2 Kilometern steht man am Kiosk bzw. der Kasse bei den Edelsteinminen, wo sich eine Führung lohnt (http://www.edelsteinminen-idar-oberstein.de/die-edelsteinminen.html).

Barbarastollen im Steinkaulenberg
Ich gehe ein kleines Stück bergauf, rechts von mir liegt der Barbarastollen, und schon stehe ich auf dem Galgenberg, wo mir das in Erinnerung kommt, was ich darüber im Internet gelesen habe.
Die alte Groß-Pfarrei Idar war ursprünglich wohl auch mit dem Gerichtsbezirk des Idarbannes identisch.
Die Gerichtsstätte dieses Gebietes befand sich dort, wo die Gemarkungen von Mackenrodt, Algenrodt und Idar aneinander stoßen, eine Stelle, die noch heute in den amtlichen Katasterunterlagen die Bezeichnung "Galgenberg" trägt.
Die Tatsache, dass man an der alten Gerichtsstätte am "Galgenberg" Achate fand (daher auch "Steinkaulenberg" genannt), prägte die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Gegend. Idar wurde im Laufe der Jahrhunderte zu einem Weltzentrum der Edelsteinindustrie.
Nun nehme ich die letzten 1,5 Kilometer in Angriff. Vorbei am Parkplatz führt der Weg hinunter erneut über Teile des Schleiferweges zur Weiherschleife.
Außer einigen Besuchergruppen bei den Edelsteinminen bin ich heute – wie so oft bei meinen Wanderungen – niemandem begegnet, was wohl auch daran liegt, dass ich an einem Wochentag unterwegs war.

Der gut ausgeschilderte Edelsteinschleiferweg folgt in weiten Teilen dem seit langem bekannten Schleiferweg:http://timorisch.blogspot.de/2015/06/schleiferweg-rund-um-idar.htmlhttp://www.gpsies.com/map.do?fileId=evsqefbgewvvzxgz


Auf die Zertifizierung bin ich gespannt. Wegen seiner Stadtnähe wird der Edelsteinschleiferweg sicher nicht über 80 Punkte kommen. Trotzdem handelt es sich um einen schönen Rundweg mit tollen Aussichtspunkten und einem hohen Erlebnischarakter, der viele Facetten der Edelstein- und Schmuckstadt zeigt.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ojmotlqkujoegfzt


Samstag, 25. Juli 2015

Mountainbike-Tour zum Gefallenen Felsen

Freitag, 24. Juli 2015:
Warm ist es an diesem Freitag, meinem letzten Urlaubstag der ersten Woche - warm und drückend.
Am späten Nachmittag wird es erträglicher und es zieht mich in die Natur. Heute soll es wieder eine Mountainbike-Tour sein. Gerne wäre ich ohne Auto ausgekommen und zu Hause losgefahren, aber dafür ist es zu spät. Also Rad ins Auto und nach Nahbollenbach fahren, wo ich um kurz vor 18 Uhr im Sattel sitze und Richtung Georg-Weierbach steuere.
Auf der Fußgängerbrücke, die über die B 41 führt, bleibe ich kurz stehen und beobachte den hektischen Verkehr… Hektik möchte ich heute jedenfalls nicht.
Neben dem Gebäude des Kunststoffverarbeitungsunternehmens Gebrüder Schmidt quere ich die Straße und befinde mich wenig später im Wald. Durch das Tal, das nach dem dort verlaufenden „Ringelbach“ benannt ist, geht es aufwärts bis in die Gemarkung Hintertiefenbach. Östlich fahre ich eine Schleife um den Ort herum und gelange über Teile der Traumschleife „Kupfer-Jaspis-Pfad“ Richtung Gerach. Hier genieße ich eine schöne Aussicht auf den Steinbruch Juchem und fahre weiter ein Stück durch den Ort bevor ich mich rechts Richtung Wald halte. Erneut rollen die Stollenreifen über Teile des „Kupfer-Jaspis-Pfades“, der dann allerdings rechts nach Niederwörresbach weiterführt. Ich hingegen fahre links nach Regulshausen, wo ich 1,5 Kilometer später die Reithalle passiere und über die Siedlung Wassergall am Roggenhof vorbei mein nächstes Ziel, Göttschied, im Blick habe.
Beim Gefallenen Felsen
Eine Schleife durch das Gebiet, das „Karschholz“ genannt wird, durch den Ort, vorbei an der Wochenendhaus-Siedlung Kesselstaudt und schon ist man auf dem Göttschieder Berg, wo ich vier Spaziergängern begegne. Wenig später sieht man das erste Schild der Traumschleife „Nahe-Felsen-Weg“. Einen kurzen Trail später bin ich beim Heinzenberg und freue mich auf das, was jetzt kommt - das Naturschutzgebiet „Gefallener Felsen“ über dem Altenberg-Tunnel. Der Weg ist steil und steinig, ein Sturz kann hier sehr schmerzhaft enden.
Leider ist der Spaß nach rund einem Kilometer zu Ende. Vorbei am Friedhof Almerich setze ich den Weg hinter der Kläranlage Richtung Nahbollenbach fort. So gut es geht, versuche ich, asphaltierte Straßen zu vermeiden und so folge ich nicht der John-F.-Kennedy-Straße, sondern den parallel dazu verlaufenden Waldweg rechts der Bahngleise, der zur Gellertstraße führt. Hier ist meine Tour nach 33 Kilometern und rund 750 Höhenmetern zu Ende.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=oxrtujmgawbfwslm

Mittwoch, 22. Juli 2015

Bärenbachpfad und idyllische Hunsrückdörfer

Dienstag, 21. Juli 2015:
Früh bin ich wach an meinem zweiten Urlaubstag. Nachdem ich am 12. Juli während der geführten Wanderung einen ersten Eindruck der Traumschleife Bärenbachpfad bekam, möchte ich sie heute erneut wandern. Nicht mit einer Herde Menschen, nein, ganz alleine.
Zu Hause schnell eine Tasse Kaffee und zwei Scheiben Brot - die erste mit Leberwurst, die zweite mit Käse - das wird für 15 km reichen. Flüssigkeit ist wichtiger und so fülle ich meine Flasche mit der bewährten Mischung aus rotem Traubensaft, stillem Mineralwasser und einer Brise Salz.
"Bärenbachpfad - Klappe, die Zweite!" würde es auf einem Filmset lauten.
Beim Bärenbach

Um 08:15 Uhr starte ich am Parkplatz beim Stadtweiher Baumholder und folge dem Weg auf kleinen Pfaden durch den Wald bis zum Ungeheuerstein. Der trägt seinen Namen nicht etwa, weil sich hier ein Ungeheuer herumtreibt, vielmehr soll er an den Förster namens Ungeheuer erinnern.
Durch den Stadtwald und später über den "Weg der Stille" gelange ich an das Waldhaus.
Unterhalb des Waldhauses kann man den ersten schönen Blick in die Pfalz genießen. Der Weg führt mich über abwechslungsreiche Pfade zur "Pforte der wilden Frau".
Solche Portale sind immer wieder am Wegesrand zu finden. Sie charakterisieren diese Traumschleife und zeigen dem Wanderer den richtigen Weg.
Am Bärenbach erwarten mich Ruhe und Natur pur. Ich bleibe stehen und halte inne. Viele Minuten bleibe ich hier, denke nach, reflektiere.
Mein Blick fällt zurück. Er fällt zurück auf den Weg, der hinter mir liegt - bei dieser Wanderung und im Leben gleichermaßen.
Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts.
Häufig versuchen Menschen, ihr Leben verkehrt zu leben. Sie bemühen sich darum, mehr Dinge oder mehr Geld zu bekommen, um mehr das tun zu können, was sie wollen, und glücklicher zu sein.
Doch das funktioniert in Wirklichkeit anders herum.
Zunächst muss man der sein, der man ist, und dann das tun, was man will, um zu bekommen, was man sich wünscht.
Ich folge dem schmalen Pfad, der parallel zum Hang verläuft… begleitet nur vom Plätschern des Baches, dem Rauschen der Bäume und dem Zwitschern der Vögel.
Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen - manchmal sind es die kleinen Schritte im Leben, die einen nachdenklich machen und aufmerksamer werden lassen.
Beim Wildfrauenloch
Kurz darauf stehe ich unterhalb des Wildfrauenloches.
Ein paar Schritte den steilen Hang hinauf und man ist oben. Einige Meter, angeblich fünf bis sechs, führt der schmale Tunnel in den Berg hinein. Gut möglich, dass hier früher Bergleute nach Rohstoffen suchten, nicht fündig wurden und aufgaben.
An einem abgestorbenen Baumstamm ist eine Kette befestigt, die im Fels verankert ist. Etwas oberhalb des Stammes befindet sich ein verwittertes Seil. Schnell weg hier, denn auf eine Begegnung mit der wilden Frau, die wohl ein Faible für Bondage hat, bin ich nicht unbedingt scharf.
Die Strecke schlängelt sich auf neu angelegten Pfaden weiter am Bärenbach entlang bis zur Auersbach.
Ein schöner Trail entlang des Bärenbachs, der mit dem Mountainbike sicher viel Spaß macht, denke ich.
Der anstrengendste Teil der Wanderung ist der Aufstieg zum Rothenberg.
Auch hier bleibe ich kurz stehen, denn wer ununterbrochen vorwärts marschiert, steht die Hälfte seines Lebens auf einem Bein.
Nachdem ich mich um 180 Grad gedreht habe, schaue ich erneut zurück.
Erstaunlich, wie anders sich doch die Landschaft zeigt, wenn man sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Deshalb hat es auch seinen Reiz, bekannte Wege einfach mal in entgegengesetzter Richtung zu gehen. Man wird nicht selten überrascht sein, welch neue Perspektiven sich einem öffnen. Vor einem die Zukunft, dahinter die Vergangenheit und mittendrin, direkt unter den Füßen, das Hier und Jetzt.
Der Weg, der hinter mir liegt, verlief manchmal steil bergauf, dann wieder abwärts, unterbrochen von vielen flachen Passagen. Mal ist er gut zu gehen, mal erfordern Wurzeln und Steine Aufmerksamkeit - Bäume liegen quer. Wer nicht auf den Weg achtet, wird stolpern, straucheln und sogar fallen - wie im wahren Leben. Aber auch das gehört dazu… man steht auf, klopft sich den Staub von der Kleidung und geht weiter. Manchmal bleiben Flecken auf der Kleidung oder kleine Wunden am Körper zurück. Blickt man dann zurück und lernt aus seinen Fehlern, kommt man im Leben immer einen kleinen Schritt nach vorne. Vieles lernt man im Leben gerne, weil man es möchte und Freude daran hat. Manches aber lernt man, weil man es lernen MUSS, weil das Schicksal es so möchte. Das sind dann meist die leidvollen Lektionen. Absurd ist, dass man mit jedem Lebensjahr klüger wird, man aber immer weniger Zeit hat, das Gelernte anzuwenden, um das Leben für sich und sein Umfeld besser zu machen.
Ich setze die Wanderung fort. Oben angekommen schweift mein Blick nach rechts Richtung Truppenübungsplatz, als ich einen Düsenjet höre.
Kurz darauf erscheint er in meinem Blickfeld. So gut es geht, versuche ich ein Foto von ihm zu ergattern, während der Pilot sein Fluggerät fünf Runden über das Gelände jagt.
Allee der verschwundenen Heimat
Ob es sich um einen Eurofighter oder Tornado, die derzeit im Einsatz befindlichen Kampfflugzeuge der Luftwaffe, oder das Kampfflugzeug eines anderen NATO-Staates, die ebenfalls den Truppenübungsplatz zu Trainingszwecken nutzen, handelt, kann ich nicht sagen.
Mein Freund Frank hätte es sicher mit verbundenen Augen, nur anhand des Triebwerkgeräusches, erkannt.
Na ja, egal. Jedenfalls beeindruckend, wie scheinbar mühelos solch ein Koloss durch die Lüfte schwebt.
Begleitet wird man auf der folgenden Passage von der Allee der verschwundenen Heimat. Sie zeigt die Dörfer, die in den 1930er Jahren dem Truppenübungsplatz weichen mussten.
An der Hubertusruh werde ich durch eine einzigartige Aussicht über den Truppenübungsplatz für den Aufstieg entschädigt. Hier bietet sich auch wieder ein kleiner Einblick auf das Übungsgelände.
Aussicht bei der Hubertusruh
Leider sehe ich auch die Hinterlassenschaften eines sinnlosen Treibens. Der schöne Holztisch ist mit Lackstiften verkritzelt, überall Müll… Papier und eine geschmolzene Plastikflasche. Wut steigt in mir auf und ich opfere ein paar Minuten meiner Zeit, um den Platz vom Müll zu befreien. Der Wind spielt mit mir und weht die Blätter umher. Zum Glück beobachtet mich niemand dabei, wie ich jedes Blatt mit dem Fuß am Boden fixiere, um es besser greifen zu können. Man könnte mich für einen betrunkenen Tangotänzer halten.
Während ich die Blätter und Flasche zum Mülleimer bei der Ruhebank bringe, frage ich mich, wer sich so rücksichtslos verhält. Diese Halbstarken müsste man einen Monat lang in einen Steinbruch schicken. Zwölf Stunden täglich Steine klopfen… mit einem kleinen Hämmerchen, bis sie auf andere Gedanken kommen.
Bei der nun folgenden Passage handelt es sich wieder um einen schmalen Pfad, der sich zwischen Bäumen hindurch schlängelt. Auch hier würde sich der Mountainbiker in mir freuen, den Trail mit dem Rad zu erleben.
Schöner Trail für Mountainbiker

Auf dem Truppenübungsplatz scheint Schießbetrieb zu sein, denn immer mal wieder ist das Geräusch eines oder mehrerer Maschinengewehre zu hören. Der "Weg der Dachse" führt mich zu einem Barfußpfad.
Jetzt geht es über Wiesen und Felder direkt zum nächsten Höhepunkt - einem wunderschönen Blick in den Hunsrück mit dem 816 m hohen Erbeskopf. Von dort sind es nur noch wenige 100 m bis ich den Aussichtspunkt über die Stadt Baumholder wieder erreicht habe und über Wiesen und Felder zum Stadtweiher gelange. Drei Stunden und knapp 15 Minuten habe ich für den Bärenbachpfad gebraucht und mein Vorrat an Flüssigkeit reichte gerade so.
Außer einem Mann mit Hund ganz zu Beginn der Wanderung ist mir auf meinem Weg sonst niemand begegnet.
An einigen Stellen wurde die Streckenführung geändert. Die im Internet zur Verfügung gestellten gps-Dateien sind nicht mehr aktuell. Scheinbar wurde wegen einer Neu- bzw. Nachzertifizierung der Weg an einigen Stellen geändert, denn u.a. wurde auch ein Spielplatz neu angelegt.
Zum perfekten Zeitpunkt schickt mir mein Freund eine Nachricht und wir verabreden uns im Idarer Brauhaus zum Essen, denn langsam meldet mir mein Körper, dass die beiden Scheiben Brot nicht für den Rest des Tages reichen werden. 13:00 Uhr ist Treffpunkt, also nach Hause fahren und duschen.
Hauptmahlzeit des Tages - Flammkäse
Pünktlich suche ich uns einen schattigen Platz. Am Nebentisch genießen zwei nette Damen das Tagesmenü - Spaghetti all’arrabbiata. Ich grüße, wünsche guten Appetit und bestelle mir ein Radler, während ich warte.

Beim Essen fällt meine Wahl auf Flammkäse-Steaks vom Bornwiesenhof an Fettucininudeln mit Pesto und Pfannengemüse, denn auf Fleisch habe ich heute keine Lust.
Nach ein paar Radlern, gutem Essen und netten Gesprächen trennen sich unsere Wege.
Zu Hause heißt es für mich nun packen, Rennrad ins Auto laden und nach Weierbach fahren, wo wir uns mit acht Personen zu einer Tour durch idyllische Hunsrückdörfer treffen. Beim Start um 18 Uhr ist es noch immer sehr warm. Über den Nahe-Radweg geht es nach Kirn und von dort aus weiter nach Hahnenbach und Rudolfshaus. Der Anstieg nach Sulzbach ist bei dieser Witterung sehr anstrengend, zumal der Körper nicht vom Fahrtwind gekühlt wird. Oben ist meine erste Flasche schon so gut wie leer. Kurze Pause und weiter nach Hottenbach. Über die Höhe bei Hellertshausen gelangen wir nach Asbach. Jetzt folgt die schöne Abfahrt bis zur Weidener Brücke und Herrstein ist unser nächstes Ziel. Vorbei an Niederwörresbach folgen wir der Landstraße und radeln durch Fischbach. Überall sitzen Menschen gemütlich vor oder neben dem Haus, was bei diesen Temperaturen nicht wundert. Mir ist es auf dem Rad bei netter Gesellschaft aber doch lieber. Bis zum Parkplatz am Bahnhaltepunkt Weierbach sind es jetzt nur noch ein paar Meter.
Tomatenbrot mit Ei geht immer
Am Ende sind es 46 km und ca. 600 Höhenmeter… bei dieser Wärme völlig ausreichend.

Zu Hause klingt der Abend auf der Terrasse des Nachbarn gemütlich aus. Ein Tomatenbrot sowie ein gekochtes Ei genügen mir als Essen, dazu ein paar Bier - perfekt.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hkxrfppvybnqjvad
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=imnojbumtkvpjkoe


Update am 27.07.:
Das Kampfflugzeug war dann doch ein Tornado.
Zitat Frank: "
Klar, eindeutig Tornado - er hat zwei Zusatztanks drunter und auf Bild 9386 sieht man sogar noch weitere 2 Pylone an den äußeren Unterflügelstationen und eine Startschiene am linken Tankpylon  - entweder leer oder mit Raketen - kann man nicht sagen." 

Dienstag, 21. Juli 2015

Das Leben ist schön



Das Leben ist schön
(Version von Gregor Meyle) 

Wenn der Tag gekommen ist
und ich meine Augen schließe
und mich mein Löwenmut verlässt.
Wenn der Tag gekommen ist
und ich mit dem Wasser fließe,
hoffe ich, dass ihr mich nicht vergesst.

Ich will keine Trauerreden,
ich will keine Tränen sehen,
kein Chor, der Hallelujah singt.
Ich will, dass ihr feiert,
ich will, dass ihr tanzt,
mit 'nem lächelnden Blick
und 'nem Drink in der Hand,
'nen Heißluftballon, auf dem riesengroß steht:
Das Leben ist schön,
auch wenn es vergeht.

Und wenn ihr schon weint,
dann bitte vor Glück.
Dann bin ich da oben
und sing' mit euch mit,
 und sing' mit euch mit.

Holt die schönsten Kleider raus,
und kommt in den hellsten Farben,
wie tausend Lichter in der Nacht.
Jeden einzelnen von euch,
werd ich immer bei mir tragen,
auch wenn ich euch irgendwann verlass'.

Ich will keine Trauerreden,
ich will keine Tränen sehen,
kein Chor, der Hallelujah singt.
Ich will, dass ihr feiert,
ich will, dass ihr tanzt,
mit 'nem lächelnden Blick
und 'nem Drink in der Hand,
'nen Heißluftballon, auf dem riesengroß steht:
Das Leben ist schön,
auch wenn es vergeht.

Und wenn ihr schon weint,
dann bitte vor Glück.
Dann bin ich da oben
und sing' mit euch mit,
und sing' mit euch mit.
Ooooooh Ooooooh Ooooooh Ooooooh
und sing' mit euch mit,
und sing' mit euch mit,
und sing' mit euch mit,
und sing' mit euch mit. 

(Original von Sarah Connor)

Sonntag, 19. Juli 2015

ToneFactory in Siesbach

Samstag, 18. Juli 2015:
So schön der italienische Abend in Bergen am 11. Juli auch war – er hatte einen Nachteil: Ich konnte mir ToneFactory nicht anhören, die an diesem Abend auf dem Prämienmarkt in Veitsrodt einen Mega-Auftritt zeigten.

Das holen wir heute Abend nach.

Um 20:00 Uhr komme ich vom Sportgelände Auf Klopp in Nahbollenbach zurück, wo an diesem Samstag ein vom Sportverein in Kooperation mit unserem Schützenverein veranstaltetes Sommer-Biathlon veranstaltet wurde. Mein Dienst bei den Schießbahnen, an denen die Radfahrer und Läufer mit Lasergewehren selbst Einfluss auf die Anzahl der Strafrunden nehmen, ist ganz schön anstrengend. Zum Glück ist es im Schatten des Feldhauses erträglich.
Nach einer erfrischenden Dusche mache ich mich auf den Weg.
Um 21:15 Uhr steigt ein befreundetes Pärchen in Tiefenstein zu mir in den Wagen und wenig später betreten wir das Sportplatzgelände in Siesbach, auf dem auch ein Beachhandball-Feld angelegt wurde. Hier auf dem Sportfest herrscht reger Betrieb. Es ist warm und die Leute tummeln sich vor und neben dem Zelt.
Wir genehmigen uns die erste Runde Kirner Flaschenbier.
Kurz darauf starten ToneFactory mit ihrem Konzert, das von zwei Auftritten unterbrochen wird.
Zuerst sorgt die Showtanzband Rhythm Nation des FC Martinstein mit ihrem Auftritt für Applaus, bevor die Mitglieder des Männerballetts ihre Künste vorführen. Bei der anschließenden Dankesrede an die Trainerin des Männerballetts wird auch vom Plan für das nächste Jahr gesprochen. Sie schlägt vor, es genüge, eine Woche vor dem Auftritt zu beginnen, denn ob nun acht Wochen oder nur eine Woche geprobt wird, es mache unter dem Strich keinen Unterschied.


Blues- und Classic Rock aus Idar-Oberstein


Wir haben unseren Platz neben dem Zelt gefunden und verfolgen durch die beiden geöffneten Seitenelemente die Show der Band, die um Frontmann Simon Klein und Drummer Fabian Krieger das Publikum mit Rock-Klassikern wie "in the air tonight", "Hey Joe", "Hotel California", "radar love" und "long train running" begeistert, um nur einige Stücke der Playlist zu nennen. Später wird es kühl und wir verbringen den Rest des Abend im Zelt vor der Cocktailbar, wo die Musik deutlich lauter in den Gehörgang dringt. Tontechniker Sascha Kuhn zieht alle Register, um den Sound bestmöglich zu präsentieren, was ihm sehr gut gelingt. 
Zwischendurch sorgt Keyboarder Torsten Wendel, der auch als Backgroundsänger agiert, mit seinen Versionen von "land of confusion" und ZZ Tops "Tush" - der einzigen Single-Auskopplung aus ihrem vierten Album Fandango! - für Abwechslung.
Beim Lied "Zombie" der Cranberries tanzen die ersten Menschen auf Tischen und Bänken, was für den Rest des Abend so bleiben wird. Simon sucht die Nähe der Menge, während er auf seine Frage "what's in your head?" auf Antworten wartet.
Erst nach mehreren Zugaben wird die Band vom tobenden Publikum entlassen.
Gänsehaut verursacht die letzte Zugabe… Simons Interpretation von Leonard Cohens "Hallelujah", das 2007 von der britischen Zeitschrift Q als bester Song aller Zeiten genannt wurde. Kein Wunder, dass es mittlerweile mehr als 100 Versionen anderer Musiker dieses Stückes gibt.

Danke, ToneFactory, für diesen Abend.
Leider habe ich Fabians Drum-Solo vermisst, aber das kommt sicher bald mal wieder!!!
www.tonefactory.de

Eine laue Sommernacht

Freitag, 17. Juli 2015:
Es geht mal wieder ins Idarer Brauhaus am Schleiferplatz, wo ich mich um 19:30 Uhr mit Freunden treffe. An diesem Abend präsentiert der Boxclub Idar-Oberstein ein gut organisiertes Open-Air-Boxen.
Ich verschaffe mir einen Überblick und beobachte die Szenerie. Etwa 10 Minuten später hört man den Ringrichter "Cut! Cut!" rufen. Der junge Boxer eilt in seine Ecke, wo seine Platzwunde über dem linken Auge medizinisch versorgt wird.
Kurz darauf treffen meine Freunde ein und wir finden einen schönen Platz im Außenbereich. Anfangs ist es mir eindeutig zu warm, obwohl wir unter einem Baum Schatten genießen können.
Etwa eine Stunde später hat die Temperatur einen Wert erreicht, den ich als optimal bezeichne. Wir trinken Bier, essen Schnitzel bzw. Flammkäse vom Bornwiesenhof und schauen gelegentlich in den Boxring, in dem Amateurkämpfe in drei Runden von je drei Minuten Länge ausgetragen werden.

Unser Platz im Idarer Brauhaus
Wir sind uns sicher, heute die schönste Sommernacht des Jahres 2015 genießen zu können – bisher zumindest. Das tolle Wetter lockt auch Fahrer von Cabriolets und Oldtimern ins Freie und so können wir im Kreisverkehr allerlei exotische Fahrzeuge beobachten… vom BMW Z1 über eine Corvette Sting Ray bis hin zu einem bronze-goldfarbenen Mercedes Benz Cabriolet. Leider sehen wir den Wagen relativ spät. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Wagen der Baureihe W 110, der von 1961 bis 1968 gebaut wurde.
Auch zeigen sich ein VW Derby sowie die Fließhecklimousine Opel Kadett B LS.

Besonderen Eindruck hinterlässt ein roter amerikanischer Straßenkreuzer mit weißer Lederausstattung. Ich kenne mich mit diesen Wagen nicht aus und so muss das Internet zwecks Recherche herangezogen werden. Habe ich alles richtig in Erinnerung, ist es ein Cadillac der Series 62 (Seventh Generation), der von 1961 bis 1964 gebaut wurde.
Die Geisterwolke

An diesem Abend werden wir Zeugen eines seltenen Naturschauspiels. Etwa gegen 22:15 Uhr zieht aus westlicher Richtung eine große weiße Gewitterwolke heran, die sich langsam hinter die Edelsteinbörse schiebt. Im Kontrast zum dunklen Himmel wirkt sie regelrecht gespenstisch, denn es sieht so aus, als würde in ihr eine überdimensionale Neonröhre leuchten. Als Krönung zucken immer wieder Blitze im Inneren der Wolke.
So gut es geht, versuche ich diesen Moment mit meiner Smartphone-Kamera festzuhalten, während ich auf die Ghostbusters warte.

Leider geht auch die schönste laue Sommernacht irgendwann zu Ende. Nach der "Last Order" bahnen wir uns den Weg durch die immer noch gut gefüllte Kneipenszenerie am Schleifer- und Marktplatz.

Freitag, 17. Juli 2015

Mountainbike im Daal

Donnerstag, 16. Juli 2015
Unsere obligatorische Freitags-Mountainbike-Tour findet diese Woche ausnahmsweise am Donnerstag statt. Grund hierfür ist der Zusatztag des Festivals „Rock im Daal“.
Bereits zum 20. Mal veranstaltet der gemeinnützige Verein Rock im Daal das gleichnamige Festival in Kirchenbollenbach. Anlässlich des runden Geburtstags hängen die Organisatoren dann auch gleich einen Festivaltag mehr dran und es wird schon ab Donnerstag, 16. Juli, gerockt.

Eselspfad bei Schmidthachenbach
Den um eine Stunde vorverlegten Termin haben wir aufgrund der Hitze gestrichen, und so starten wir um 18:00 Uhr am Sportplatz Kirchenbollenbach zu unserer Tour. Elf Personen zähle ich heute. Richtung Osten geht es entlang des Truppenübungsplatzes zur Muffelhütte auf dem Brockelberg in der Gemarkung Oberreidenbach. Von der Hütte aus genießt man eine herrliche Aussicht über die Höhen des Hunsrücks, bei guter Sicht bis zum Rhein und weit in die Rheinpfalz.
Zwischen den Orten Sien und Sienhachenbach hindurch führt uns die Tour zum Highlight des Tages, dem Eselspfad. Der schmale, nach einer Seite abfallende Weg mit seinen Wurzelpassagen und einigen Felsblöcken, erfordert ständige Aufmerksamkeit. Auch besteht die Gefahr, mit dem Lenker einen Baum zu touchieren, was schnell zu einem Sturz führen kann.
Eselspfad bei Schmidthachenbach
Ich habe ein wenig das Gefühl, mich auf dem Felsenweg in Rodalben zu befinden.
Auf diesem tollen Trail gelangen wir nach Schmidthachenbach. Von dort fahren wir weiter bis Mittelreidenbach. Die Strecke ist durchweg staubtrocken. Gelegentlich kommt man sich vor wie im Death Valley. Vor Dickesbach queren wir die K40 und über die Sonnenhöfe setzen wir die Tour bis Nahbollenbach fort.
Nun folgt erneut ein toller Trail entlang des Bollenbachs bis nach Mittelbollenbach.
Jetzt nur noch ein kleines Stück Straße bis zum Ausgangspunkt.
Nach rund 34 Kilometern ist die Tour beendet. Räder verstauen, frisch machen, unauffällig kleiden und schon können wir uns in die feiernde Menge mischen, die vom Hunsrücker Urgestein Martin Weller gewohnt frech mit seinem Mundartblues verwöhnt wird.

Eselspfad bei Schmidthachenbach
Nach dessen Zugabe betreten dann die Weedbottles die Bühne. Die fünf Jungs aus Idar-Oberstein, die normalerweise als Speedbottles mit selbst gemachtem Punk 'n' Roll unterwegs sind, covern an diesem Abend ihre eigenen Hits und verpassen ihnen ein neues akustisches Gewand aus Folk, Blues, Reggae und Ska - Bärte inklusive. Die Weedbottles werden sicher einige neue Fans dazugewinnen.
Andreas und Regina Wögerbauer vom nahegelegenen Landgasthof Schuck sorgen für das leibliche Wohl. Meine Wahl fällt zuerst auf den Hunsrückburger, eine Frikadelle im Brötchen mit Salat und Zwiebeln. Senf und Ketchup stehen auch bereit. Später folgt noch ein halber Flammkuchen. Beides sehr lecker und mit 2,50 Euro nicht zu teuer.
Das Fassbier schmeckt gut, leider muss ich nach drei Gläsern auf alkoholfreies Weizenbier umsteigen.
Als ich auf der Heimfahrt an der Kreuzung in Nahbollenbach anhalten muss, sehe ich auf der gegenüberliegenden Seite einige Personen in der Garage werkeln. Genau vor diesem Haus habe ich während der Hinfahrt auf der Straße ein Samsung-Smartphone gefunden. Ich frage nach und tatsächlich beschreibt mir die junge Frau das Fundstück auffallend genau. So übergebe ich das ramponierte Gerät mitsamt der Schutzhülle, die ihren Zweck nicht ganz erfüllen konnte, an die Eigentümerin, die sich sichtlich freut. Das zerstörte Display scheint sie nicht groß zu stören. Mit den Worten „Wir haben noch ein Display, das bekommen wir schon hin, vielen Dank“ verabschieden wir uns. Und da ist es wieder… das gute Gefühl, einen Menschen glücklich gemacht zu haben.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Durch zwei Landkreise und drei Verbandsgemeinden

Am Dienstag, 14. Juli 2015, treffen wir uns um 18 Uhr im Stadtteil Nahbollenbach am Eisenbahnviadukt zu einer Rennrad-Feierabendrunde - die für mich erste Rennradtour seit vielen Jahren.
Mit fünf Männern und einer Frau starten wir bei gutem Bike-Wetter. Der Himmel zeigt sich teilweise bedeckt, soll uns aber mit keinem Regenschauer überraschen.
Es geht über Weierbach, vorbei am Stadtteil Kirn-Sulzbach nach Kirn, wo wir uns bereits im Landkreis Bad Kreuznach befinden.
Heimweiler in der Verbandsgemeinde Kirn-Land ist das nächste Ziel, von wo aus der Rundkurs durch drei Verbandsgemeinden beginnt.
Über gut asphaltierte Straßen fahren wir nach Becherbach und Otzweiler. Bei Hundsbach befinden wir uns in der Verbandsgemeinde Meisenheim und ein Mitglied der Gruppe verlässt uns. Als nächstes folgen Schweinschied und Löllbach. Ein beständiger Wind weht uns um die Ohren - mal mehr, mal weniger stark. Weiter geht es durch Jeckenbach und Desloch. Die folgenden Orte Lauschied und Bärweiler gehören schon zur Verbandsgemeinde Bad Sobernheim.
Blick auf Lauschied von Desloch kommend
Erstaunt bin ich über die Ruhe, die in diesen Dörfern herrscht. Kaum ein Mensch auf der Straße. Gelegentlich sieht man ein paar Leute auf einer Bank sitzen, die uns freundlich grüßen. Hier scheint die Welt noch in Ordnung. 39 Kilometer haben wir bisher hinter uns gebracht und ich hätte nicht für möglich gehalten, dass mir das Rennradfahren jemals wieder so viel Spaß machen würde, bin ich doch überzeugter Mountainbiker. Die Bewegung ist konstanter, die Belastung gleichmäßiger als beim Mountainbiken und man kann ungefähr die doppelte Strecke in gleicher Zeit zurücklegen. Außerdem erfordert das Rennradfahren keine konstante Konzentration, wie es in schwierigem Gelände der Fall ist.
Mein Rad läuft wunderbar ruhig und ich merke das deutlich geringere Gewicht gegenüber meines Mountainbikes. Etwas ungewohnt sind noch immer die schmalen Reifen sowie die Felgenbremsen, aber ich habe mich gut daran gewöhnt. Dass mir die heutige Tour so viel Spaß bereitet, liegt sicher auch an der schönen Strecke. Die Straßen sind in einem sehr guten Zustand, was mich nicht wundert, denn sie werden sicher weniger frequentiert als in Stadtgebieten.
Auch bin ich positiv überrascht vom geringen Verkehrsaufkommen in und zwischen den idyllisch gelegenen Orten im Nordpfälzer Bergland.
In Limbach denke ich an eine Freundin aus Berufsschulzeiten, die in diesem Ort wohnt. Wir befinden uns wieder in der Verbandsgemeinde Kirn-Land, bevor sich in Heimweiler der Kreis schließt. Zurück geht es knapp vier Kilometer über die L182 bis zur Unterführung an der B41. Auf diesem Stück merke ich deutlich, welchen Vorteil das Windschattenfahren bringt.
Über den Nahe-Radweg gelangen wir nach Weierbach und zurück zum Ausgangspunkt.
Mit etwas über 62 Kilometern und rund 800 Höhenmetern nur eine kleine Feierabendrunde, aber es hat gereicht, mir die Freude am Rennradfahren zurückzubringen.
Mallorca 2016 kann kommen!

Leider hatte ich bei dieser homogenen Truppe nicht die Gelegenheit, die Erinnerungen in Form von Fotos festzuhalten, so ist nur ein einziges entstanden. Aber mit Sicherheit werde ich diese Strecke ein zweites Mal fahren. 

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ilndgopfkjpdqdwp

Montag, 13. Juli 2015

Bärenbachpfad in Baumholder - Naheland Wander.Sommer


Sonntag, 12. Juli 2015:
Wanderevents einen ganzen Sommer lang, das bietet der Naheland Wander.Sommer 2015 von April bis Oktober.

Heute habe ich mich entschieden, an der Hauptveranstaltung des Naheland Wander.Sommers in Baumholder teilzunehmen.
Alles dreht sich an diesem Tag um die Themen Wandern, Sommer und Erholen. Die Verantwortlichen in der Garnisonsstadt im westlichen Teil des Nahelandes haben ein Programm für Jung und Alt zusammengestellt.
So gibt es neben der Hauptwanderung auf der Traumschleife Bärenbachpfad mit einer Länge von ca. 14 km noch eine 3 Kilometer lange Gesundheitswanderung sowie eine Kinderwanderung mit einer Länge von ebenfalls 3 Kilometern.
Alle Touren beginnen gegen 10 Uhr am Stadtweiher.
Normalerweise sind diese Massenveranstaltungen nicht unbedingt meine liebste Freizeitbeschäftigung, wandere ich doch gerne in einer kleinen Gruppe oder auch mal ganz für mich alleine. Es hat durchaus seinen Reiz, alleine zu wandern. Man nimmt die Natur viel intensiver wahr. Mit der Zeit merkt man, dass man "sich selber genug ist" und kann diese "Auszeiten" auch genießen.

So mache ich mich auf den Weg zum Parkplatz am Stadtweiher und warte auf meine Bekannte, die ebenfalls den Bärenbachpfad erleben möchte.
Landrat Dr. Matthias Schneider, Bundestagsabgeordnete Antje Lezius, Edelsteinkönigin Sonja Mzyk, Bürgermeister Peter Lang und die Geschäftsführerin der Naheland-Touristik in Kirn, Ute Meinhard, eröffnen die Veranstaltung, die gut 100 Teilnehmer nach Baumholder gelockt hat. Wie viele davon den Bärenbachpfad wandern, kann ich nicht sagen. Meine Schätzung geht von etwa 60 Personen aus.
Am Montag wird dem Artikel in der Nahe-Zeitung zu entnehmen sein, dass sogar Wanderer aus Stuttgart angereist sind.

Foto: Günter Weinsheimer

Wie zu erwarten, haben auch heute wieder viele Menschen ihre Wander- bzw. Trekkingstöcke im Einsatz und begleiten die Gruppe mit nervigem klackern.
Ich bin kein Gegner dieser Stöcke, sind sie doch in schwierigem Gelände bzw. alpinen Einsatz durchaus sinnvoll.
Sie bieten eine Entlastung der Knie beim Abstieg, gleichmäßigere Belastung von Armen und Beinen beim Bergaufgehen und sie sind hilfreich bei der Überquerung von Bächen.
Aber genau dieses schwierige Gelände findet man bei Traumschleifen nicht vor.
Auch ist den meisten Menschen wohl nicht bewusst, dass es sich um eine Ausdauersportart, bei der das schnelle Gehen durch den Einsatz zweier Stöcke im Rhythmus der Schritte unterstützt wird, handelt, wenn sie von "Nordic Walking" reden.
Es fehlt hier meistens schon an dem Adjektiv "schnell".
Schaut man in Wikipedia nach, wird der Bewegungsablauf wie folgt beschrieben:
Nordic Walking ist eine Sportart mit zyklischem Bewegungsablauf. Der rechte Stock hat immer dann Bodenberührung, wenn die linke Ferse aufsetzt, der linke Stock, wenn die rechte Ferse aufsetzt. Die Stöcke werden nah am Körper geführt. Der jeweilige Stock wird schräg nach hinten eingesetzt; der Stockeinsatz sollte immer unterhalb des Körperschwerpunktes, also in der Schrittstellung auf der vertikalen Körperachse erfolgen. Es gibt Trainingsarten, bei denen die Hand ständig geöffnet und geschlossen wird: Geht der Stock nach, öffnet sich hinten die Hand; wird der Stock vor den Körper geführt und zum Abstoßen in den Boden gestoßen, schließt sie sich wieder.
Klingt kompliziert. Ist es auch, wenn man die Technik nicht beherrscht. Genau das hat dann zur Folge, dass die Stöcke schon nach wenigen Kilometern auf dem Weg schleifen, hinterher gezogen oder getragen werden. Ganz rücksichtslose Menschen klemmen sie unter den Arm, um mit der Spitze die hinter ihnen befindlichen Personen zu nerven. Das kann im wahrsten Sinne des Wortes schnell ins Auge gehen.
Wären diese nervtötenden "Gehhilfen" nicht aus Carbon oder einer Glasfaser-Kunstoff-Mischung hergestellt, würde ein kraftvoller Tritt von oben auf den Stock das Problem beheben.
Wobei das zur Folge hätte, dass der Antrieb auf der einen Seite stärker wäre, als auf der anderen und der Trendsportler dadurch die Kontrolle über seine Walkrichtung verlieren würde. Er wäre dann dazu verdammt, im Kreis mit einem Radius von mehreren 100 Metern zu walken. Mehr zur "Todesfalle Nordic Walking" unter
http://www.der-postillon.com/2009/04/todesfalle-nordic-walking.html
Dafür möchte ich dann doch nicht verantwortlich sein.

Wir folgen Wanderführer Ernst Schmitz und passieren das Eingangsportal der Traumschleife. Nach Überqueren der Straße führt uns der Weg aufwärts und wir können schon bald die erste Aussicht auf die Stadt Baumholder und den Hunsrück genießen. Die Dörfer Hattgenstein und Rinzenberg sowie der Erbeskopf sind gut zu sehen.

Ausblick auf Baumholder und den Hunsrück
Wir folgen dem Weg auf kleinen Pfaden durch den Wald bis zum Ungeheuerstein. Der trägt seinen Namen nicht etwa, weil sich hier ein Ungeheuer herumtreibt, vielmehr soll er an den Förster namens Ungeheuer erinnern.
Wir durchwandern den Stadtwald, gelangen zur ersten Verpflegungsstation, an der sich jeder mit Mineralwasser versorgen kann und wenig später erreichen wir über den "Weg der Stille" das Waldhaus. Hier bieten Helfer der Arbeiterwohlfahrt belegte Brote sowie Kaffee und Kuchen an. Frau Jung, bei der Verbandsgemeindeverwaltung in der Abteilung Urlaub, Freizeit, Touristik tätig, hält die Eindrücke mit einer Digitalkamera fest. Unterhalb des Waldhauses können wir den ersten schönen Blick in die Pfalz genießen. Der Weg führt uns über abwechslungsreiche Pfade zur "Pforte der wilden Frau".
Solche Portale sind immer wieder am Wegesrand zu finden. Sie charakterisieren diese Traumschleife und zeigen dem Wanderer den richtigen Weg.
Am Bärenbach erwarten uns Ruhe und Natur pur - theoretisch, denn heute wird die Stille durch die Vielzahl der Menschen unterbrochen.
Am Wildfrauenloch erleben wir eine besondere Überraschung. Danke hierfür an die "Wilde Frau", die sich heute ganz zahm zeigte.
Wanderführer Ernst Schmitz versorgt uns auch hier, wie an jedem markanten Punkt, mit allerlei interessanten Informationen.
Der gestrige Abend in Bergen hat keine negativen Auswirkungen auf mein körperliches Wohlbefinden. Das Wetter ist gut und es macht Spaß. Brav folge ich meiner Begleiterin bzw. sie mir. Immer wieder versuchen wir, uns nach den kurzen Pausen an die Spitze zu arbeiten, was allerdings auf den schmalen Pfaden sehr schwierig ist, muss man doch ständig den Wanderstöcken ausweichen.
Die Strecke schlängelt sich auf neuangelegten Pfaden weiter am Bärenbach entlang bis zur Auersbach.
Etwa fünf Kilometer vor Ende beschließen wir, uns zu zweit vom Rest der Gruppe zu trennen, um den Weg alleine fortzusetzen. Jetzt kommen wir zügiger voran, können wir doch unser gewohntes Tempo gehen.

Beim Bärenbach

Der anstrengendste Teil der Wanderung ist der Aufstieg zum Rothenberg. Hier werden wir von der Allee der verschwundenen Heimat begleitet. Sie zeigt die Dörfer, die in den 1930er Jahren dem Truppenübungsplatz weichen mussten.
An der Hubertusruh werden wir durch eine einzigartige Aussicht über den Truppenübungsplatz für den Aufstieg entschädigt. Hier bietet sich uns auch ein kleiner Einblick auf das Übungsgelände. Wir folgen der Markierung bis wir auf den "Weg der Dachse" gelangen. Ein Abstecher zur nahegelegenen Sittichfarm mit dem Bienenlehrpfad ist lohnenswert.
Der Bärenbachpfad aber führt wieder in den Wald hinein. Jetzt geht es über Wiesen und Felder direkt zum nächsten Höhepunkt - einem wunderschönen Blick in den Hunsrück mit dem 816 m hohen Erbeskopf.
Von dort sind es nur noch wenige 100 Meter bis wir unseren Aussichtspunkt über die Stadt Baumholder wieder erreicht haben und über Wiesen und Felder
zum Stadtweiher gelangen.
Am Ende wartet am Stadtweiher die DLRG mit Gegrilltem auf die Schar der Wanderer.

Wiesen, Felder und gemischtes Waldgebiet mit reizvollen Bachläufen. Einzigartige Fernsichten und Rundumblicke über die Region bis hinein in den Hunsrück und die Pfalz sind ein Erlebnis. Vor allem die Blicke auf den noch aktiven Truppenübungsplatz sind außergewöhnlich.
Die gut organisierten Verpflegungsstellen und die vielen interessanten Informationen von Wanderführer Ernst Schmitz machten das Besondere an dieser geführten Tour aus.
Auch wurde die Traumschleife durch einen Spielplatz und einen Barfußpfad aufgewertet.

Weitere Informationen, Fotos und GPS-Dateien unter
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hkxrfppvybnqjvad