Freitag, 21. April 2017

Musik, die bewegt – Teil 12

Du kannst Musik nicht berühren, aber sie dich

I never meant to cause you any sorrow
I never meant to cause you any pain
I only wanted to one time to see you laughing
I only wanted to see you
Laughing in the purple rain


Niemand konnte sich im Jahr 1984 dieser Monsterballade und dem Sex-Appeal ihres Interpreten entziehen. Die mehr als acht Minuten von "Purple Rain" münden in ein grandioses Finale mit orgiastischem Gitarrensolo – und sie machten Prince zum internationalen Superstar auf Augenhöhe mit Michael Jackson.
Purple Rain ist nicht so heiß wie sein Sänger, aber mit ihm gelingt Prince der Aufstieg zum Superstar der 80er neben Madonna und Michael Jackson.
Sein androgyner Sex-Appeal wirkt bis heute – trotz 1,58 Meter.
Mit Purple Rain, das er mit seiner damaligen Begleitband The Revolution aufnahm, landet Prince 1984 seinen ersten Top-10-Hit in Deutschland.
In den USA hält sich das gleichnamige Album 24 Wochen auf Platz 1 und der Film Purple Rain räumt 1985 einen Oscar für die beste Musik ab.
Prince ist ein Multitalent, das Klavier, Schlagzeug und Gitarre autodidaktisch erlernt hat.
Doch vor allem als Sänger und Songschreiber beweist Prince außerordentliche Fähigkeiten.
Prince Rogers Nelson, wie er mit vollem Namen heißt, wird am 07. Juni 1958 in Minneapolis geboren, wo er bis zu seinem Tod wohnte.
Er hat sieben Geschwister und Halbgeschwister.
Als er 12 ist, trennen sich seine Eltern. Prince zieht zu seinem Vater und später zu einer Tante.
Schon mit 17 bekommt er die ersten Plattenverträge angeboten. Das beweist, wie groß man mit nur 1,58 Metern werden kann… und wie man die Gerüchteküche anheizt.
Seine Band ist mit Frauen besetzt – damals ein echtes Novum und Grund genug, die Vorlieben von Prince zu hinterfragen.
Zwar heiratet er zwei Mal, doch trotzdem bleibt seine wahre sexuelle Gesinnung bis heute ein Geheimnis.
Sein ehemaliger Presseagent Howard Bloom bezeichnet ihn in einem Interview als einen "Allesfresser", für den das Leben eine Speiseplatte ist.

Sprachlos waren viele. Auch Tipper Gore, damals Ehefrau von Senator Al Gore, hat genug von der unsittlichen Musik und gründet 1985 die Organisation "Parents Music Resource Center", kurz PMRC.

Ihr Ziel ist es, die Jugend mit deutlichen Warnhinweisen auf Tonträgern zu schützen. Der Grund ist ihre 11-jährige Tochter, die in dem Film Purple Rain den Song "Darling Nikki" hören muss.
Das Lied beschreibt die Selbstbefriedigung eines jungen Mädchens.
Mit ihrem Gremium erstellt Tipper Gore eine Liste von 15 anzüglichen Songs, "The Filthy Fifteen" genannt.
Neben Darling Nikki trifft es z.B. auch Judas Priest mit Eat Me Alive, Mötley Crüe mit Bastard und Def Leppard mit High 'n' Dry.
Ebenfalls auf der Liste finden sich Madonna (Dress You up), Cindy Lauper (She Bop), AC/CD (Let Me Put My Love Into You) und Black Sabbath (Trashed).
Die Musikindustrie beugt sich dem politischen Druck und verpflichtet sich, die expliziten Texte mit der Warnung zu versehen. Prince war der erste Künstler, bei dem auf dem Plattencover dieser berühmte Sticker "Parental Advisory – Explicit Lyrics" zu finden war.
Für die Jugend kommt dieser Aufkleber einer Kaufempfehlung gleich. Er wurde zu einem Statussymbol.
Jeder Rapper wollte und musste ihn auf seinem Album haben, denn sonst war er uncool.
Es bleibt nicht bei Stickern. Immer häufiger fühlt sich der Popstar von seiner Plattenfirma gegängelt und reglementiert.
Als Zeichen des Widerstandes schreibt er sich "Slave" auf seine Wange und legt von 1993 bis 2000 seinen Künstlernamen ab.
Fortan nennt er sich "Symbol" oder "TAFKAP" (The Artist Formerly Known As Prince).
In einem Interview aus dem Jahr 1999 sagt Prince:
"Die Namensänderung und die damit verbundenen Vorteile haben mir geholfen, die Zeit zu besiegen."

Nicht nur mit seiner Musik bricht der Superstar Tabus. Auch durch seine Namensänderung setzt er ein deutliches Zeichen der Selbstbestimmung. Erst nach Vertragsende im Jahr 2000 nimmt er seinen alten Namen wieder an und kehrt zu unbeschwertem Soul-Funk zurück.
Prince wusste genau, wie es geht. Immer gegen alle Regeln.
Und gerade weil er gegen alle Regeln ging, war er jemand, mit dem man sich gerne identifizierte.
Er war ein Outlaw und hat großartige Songs geschrieben.
Was wären die 80er ohne sein berühmtes Rüschenhemd gewesen?
Es musste damals immer alles möglichst extravagant sein. Prince war ein Meister dieses Fachs und sicher auch einer der ersten, der es auf so eine Ebene gebracht hat.

Am 21. April 2016 wurde Prince in seinem Paisley Park Studio in einem Fahrstuhl von seiner persönlichen Assistentin Meron Bekure und seinem Mitarbeiter Kirk Johnson leblos aufgefunden. Einer Pressemitteilung zufolge blieb der Versuch einer Wiederbelebung durch den Rettungsdienst erfolglos und Prince wurde um 10:07 Uhr Ortszeit im Alter von 57 Jahren für tot erklärt.
Als Todesursache wurde eine Überdosis des starken Schmerzmittels Fetanyl festgestellt.

Prince und Purple Rain bleiben zeitlos sexy und werden heute noch rauf und runter gespielt.

Mittwoch, 12. April 2017

Zum Meer

Ich mag das Meer, denn es fasziniert mich mit seiner Weite, Tiefe, Unbeständigkeit und Kraft.
Menschen leben von und mit ihm und fürchten doch seine zerstörerische Energie.
Eine schöne Welle wird am Ende zu einem Tsunami, der Todesopfer fordert und manch ein romantischer Bootsausflug wird zur gefährlichen Höllenfahrt, werden Richtung und Wetterlage falsch eingeschätzt.

Das Meer scheint unendlich - ein schillernder, vielseitiger Kosmos.
Auch wenn es von uns Menschen vermessen und kartographiert wurde, auch wenn wir längst Schiffe gebaut haben, die den schlimmsten Unwettern trotzen können – eine Seefahrt ist immer noch ein Abenteuer für mich.
Ich mag es, an der Reling zu stehen, mein Gesicht in den Wind zu halten und sehe gerne die Gischt bei starkem Wellengang.

Das Meer - ein Ort, an dem ich zu mir selbst finden kann, wenn mich Trauer, Verzweiflung oder Sorgen belasten. Vielleicht auch, weil ich mich von der Weite und Unendlichkeit tragen lassen kann und so in dieser Haltlosigkeit Halt finde.
Rückzug an einem Ort, an dem ich für mich bin. Unerreichbar für alle und alles... es kann und soll mir jetzt egal sein.
Ich bin nur für mich - und bei mir.
Dabei entdecke ich oft die Sehnsucht nach Abstand in mir. Warum nicht mal eine Pause einlegen, eine Unterbrechung herbeiführen, egal in welcher Art?
Wenn schon die Sehnsucht nach der einsamen Insel ein unerfüllbarer Traum ist, der auch nicht wirklich erstrebenswert ist, so habe ich doch kleinere realisierbare Möglichkeiten.
Sie stehen mir immer offen, wenn mir alles zu viel wird.
Es zieht mich dann aber auch wieder zurück, zurück zu den Menschen, Gott sei Dank!

Herbert Grönemeyer vermittelt mir dieses Gefühl in einer Liedzeile:
dreh dich um
dreh dich um
dreh dein Kreuz in den Sturm
geh gelöst, versöhnt, bestärkt,
selbstbefreit den Weg zum Meer.


"Dreh dich um" singt Grönemeyer. Das könnte heißen: Schau auf das, was hinter dir liegt.

"Dreh dich um": Schau nicht länger auf das Bittere im Leben. Lass das Schwere dort liegen - und dann kappe die Leinen, lasse los.

"Dreh dich um" kann dann heißen: Jetzt schau endlich nach vorn! Sieh in eine neue Richtung! Traue deiner Zukunft!
Das braucht Kraft und Mut, vor allem bei Gegenwind.

Und deshalb singt Grönemeyer: "Dreh dein Kreuz in den Sturm" - das verstehe ich so: Nutze die gegebenen Möglichkeiten, die eigenen Begabungen, eine stützende Familie, Freunde, Gemeinschaft.

"Dreh dein Kreuz in den Sturm" heißt auch: Nimm deinen Glauben ernst und die Kraft, die darin liegt.
Nutze alles, was Schwung gibt und weitertreibt, was trägt und dir hilft, nach vorne zu kommen.
Dazu gehören auch die bitteren Erfahrungen, Enttäuschungen und Schwierigkeiten, aus denen wir lernen.

"Dreh dein Kreuz in den Sturm" - damit wir mit großer Kraft vorankommen: Zu unserem eigenen Leben.