Dienstag, 11. Juli 2017

Heimat

Heimat – das ist so vieles, und für jeden anders.
Meist steht Heimat für einen Ort, aus dem du kommst, wo du dich zuhause fühlst.
Die Stadt, die Straße, das Haus.
Ein Ort, den du erinnerst mit allen Sinnen, der Blick ins Tal von der alten Bank aus, das Geräusch der Schritt auf dem Kiesweg, das Gefühl der rauen, kalten Türklinke in der Hand, der Geruch beim Heimkommen, die bekannten Stimmen.
Heimat, ein Ort, an dem du dich wohlfühlst, zu dem du gerne zurückkehrst.
Heimat so verstanden ist etwas, aus dem du vertrieben werden kannst, das zerstört werden kann.
Diese Heimat kannst du verlieren.
Aber Heimat ist viel mehr.
Nicht nur Geografie. Heimat wird lebendig, wo die nächsten Menschen sind.
Die, die du liebst, die du auf Reisen vermisst, auf die du dich freust, wenn du heimkehrst.
Heimat ist dort, wo nicht alles hinterfragt wird, wo die eigenen Rituale und Gewohnheiten den Rhythmus bestimmen, wo du frei leben, lieben und glauben kannst.
Heimat heißt vertraut sein und aufgehoben.
In der Liebe von Menschen und in der Geborgenheit alter Zusagen.
Erkannt werden und gerufen sein.
Heimat ist etwas, das vielleicht erst wächst und das du dir schaffen kannst, gemeinsam mit anderen.
Diese Art Heimat kannst du mit dir führen, wie das Vertrauen darauf, begleitet zu sein.
Vielleicht so auch Josef, der sich aufmacht, die Vertraute mitnimmt, der aufbricht und Heimat neu schafft.

(Text: Sabine Schaefer-Kehnert)

Es gibt einen Song, der damit in Verbindung steht und dessen Zeilen ich immer wieder gerne höre.
Die Band Silbermond ist mittlerweile von Bautzen nach Berlin umgesiedelt. Dennoch sind sie oft in der Heimat.
Der Song "B 96" ist sehr emotional, denn er beschreibt das Gefühl, nach Hause zu kommen.
Die Bundesstraße 96 verbindet die Hauptstadt mit Bautzen. Jedes Mal, wenn Stefanie von Berlin auf der B 96 in Richtung Bautzen fährt, überkomme sie eine besondere Melancholie.

Im Hinterwald
Wo mein Zuhause ist
Schön, wieder hier zu sein


Immer, wenn ich dieses Lied höre, muss ich an meine Heimat denken.
An alte Begegnungen und Geschichten.
An längst Vergangenes und auch an das, was mich heute noch bewegt.

Versteckt unter Heu
Liegen Sachen von dir
Aber auch 'ne drei viertel Kindheit - verbeult und ramponiert


Wenn ich mit dem Auto in meiner Heimat unterwegs bin, sauge ich die Landschaft förmlich auf, kenne jede Kurve bis ich in meine Straße komme.
Und dann wird mir klar, wo meine Wurzeln sind.
Wo ich zuhause war und wo ich jetzt zuhause bin.
Dazu gehören für mich Menschen, Landschaften, Gebäude, aber auch Düfte und Gefühle.

Und die Welt steht still hier im Hinterwald
Und das Herz schlägt ruhig und alt


Heimat ist für mich mehr als nur ein Ort auf der Landkarte.
Wir im Hunsrück drücken das Gefühl von Heimat und Geborgenheit mit dem Wort "Geheischnis" aus.